Sari & Kari auf der Suche nach dem Abenteuer
Die letzten Wochen waren ein Abenteuer für sich! Ein bisschen verrückt, sehr spontan und gleichzeitig wunderschön! 🏕️🚐💛
Die erste Stunde lief tatsächlich noch alles nach Plan. Ich verabschiedete mich von meinen Hosts auf der Rhabarberfarm und wurde dann lieberweise zum Nachbarort mitgenommen. Dort habe ich dann meine Reisefreundin Sari wiedergesehen – juhu! Wir hatten ein paar Tage zuvor relativ spontan beschlossen, gemeinsam zur nächsten Farm zu reisen und dort zusammen zu arbeiten. Und rückblickend war das vermutlich eine der besten Entscheidungen überhaupt.
Nachdem uns unsere Host eingesammelt hatte, merkten wir allerdings ziemlich schnell, dass dieser Aufenthalt ganz anders war als erwartet und leider auch anders, als es uns zuvor beschrieben worden war. Noch in derselben Nacht trafen wir eine Entscheidung: Wir reisen wieder ab. Es ging nicht anders. Nach nicht einmal 24 Stunden war das für uns beide glasklar. Wir konnten und wollten dort nicht bleiben – obwohl wir ursprünglich sogar mit mehreren Wochen geplant hatten. Eine ziemlich unangenehme Situation für alle Beteiligten. Unsere Host hatte natürlich mit uns gerechnet und gleichzeitig mussten wir auch auf unser Bauchgefühl hören, denn wir machen das hier eben alles auf freiwilliger Basis. So mussten wir ehrlich kommunizieren, dass wir uns dort keinen längeren Aufenthalt vorstellen konnten. Am nächsten Morgen teilten wir ihr also unsere Entscheidung mit – was wirklich nicht so leicht war – und verließen zu früher Stunde das Haus.
Kurze Zeit später saßen wir dann in einem Café und hielten erstmal eine kleine Krisensitzung ab. Unser alter Plan war nun schließlich komplett hinfällig. Wohin jetzt also? Wir schmiedeten kurzerhand einen neuen Plan. Und dieser beinhaltete eine Luftmatratze, Campingstühle im Sonderangebot und eine Lichterkette. Also ging es zu einem Laden und wir deckten uns mit den Essentials ein: Schlafsack, Decken (nachts wird es doch noch recht frisch) und natürlich eine Lichterkette für die Gemütlichkeit. Wir wollten nämlich mit Stil campen. Vom Glamping in Tofino waren wir jedoch trotzdem ziemlich weit entfernt.
Und so begann unser spontanes Abenteuer. Ohne feste Route. Ohne vorab gebuchte Stellplätze. Einfach losfahren und schauen, wohin es uns verschlägt. Ob ich vor ein paar Monaten gedacht hätte, dass ich das mal machen würde? Nö. Mit ziemlicher Sicherheit nicht. Aber es ist eine absolut tolle Erfahrung und ich bin so froh, dass ich dieses Abenteuer gemeinsam mit Sari erleben darf! 🗺️
Unser erster Stopp für die Nacht war der Living Forest Campground in Nanaimo – und direkt ein absoluter Glücksgriff! Ein wundervoller Wald direkt am Wasser, mit eigenem Café und toller Atmosphäre. Überall standen riesige RVs und wir mittendrin mit unserem vergleichsweise winzigen Auto. Wir waren begeistert! Den Abend verbrachten wir in unseren neuen (oversized) Campingstühlen am Strand und schauten uns den Sonnenuntergang an. Im Hintergrund die schneebedeckten Berge im Abendrot, vor uns die Spiegelung der Wolken auf dem Wasser und wir beide am Journalen. Toll. Danach begann unsere kleine Routine, die wir von da an jeden Abend durchzogen: Luftmatratze aufblasen (inkl. täglichem Wettrennen gegen die Zeit, das Ventil schnell genug zu schließen), Schlafsack und Decken ausbreiten, Kissenbezug mit Kleidung stopfen, Packing Cubes als Isolation an die Seiten legen und natürlich unsere Lichterkette an die Powerbank anschließen. Dazu kamen – je nach Temperatur – bis zu fünf Schichten Kleidung, um nachts nicht zu frieren. Ich habe es ausgetestet und fünf Schichten für die perfekte Anzahl befunden. Aber irgendwie hatte das Ganze auch was!



In den darauffolgenden Tagen fuhren wir immer weiter Richtung Norden, mit kleinen Abstechern unterwegs, und planten unsere Route meist erst am Abend zuvor. So verbrachten wir unter anderem eine Nacht auf Hornby Island, was uns unglaublich gut gefallen hat. Dort übernachteten wir auf einem Campingplatz mit toller Aussicht – eine Empfehlung meines ersten Hosts – erkundeten den Helliwell Provincial Park und machten einen Morgenspaziergang mit heißem Kaffee am Grassy Point. Eine schöne Insel! Allein die Anreise war schon super: Erst setzt man mit der Fähre nach Denman Island über und fährt danach nochmal zehn Minuten weiter nach Hornby Island. Auf Denman Island besuchten wir einen total süßen Farmers Market mit leckeren Zimtschnecken und machten einen Abstecher zum Morning Beach. Ein magischer Ort! Nur wir beide, wärmende Sonnenstrahlen im Gesicht, ein langer Kieselstrand und Adler, die über unseren Köpfen kreisten. Sehr friedlich. Ist direkt ins Marmeladenglas gewandert! 🫙✨



Auch am Lake Comox hatten wir erneut großes Glück. Uns war nämlich leider nicht bewusst gewesen, dass wir ausgerechnet an einem der beliebtesten Campingwochenenden überhaupt unterwegs waren – der Victoria-Day stand an. Viele Campingplätze waren bereits Monate im Voraus ausgebucht. Am Tag zuvor hatten wir erst beim vierten Platz Erfolg gehabt. Diesmal hatten wir aber Glück, denn der erste Platz, den wir anfuhren, war zwar eigentlich ebenfalls ausgebucht, aber wir bekamen tatsächlich noch einen allerletzten Stellplatz. Ein kleines Plätzchen mit der Nummerierung 10 ¾. Ein bisschen Harry Potter Vibes also. Perfekt. Direkt am Wasser und wir haben sogar noch einen Sticker geschenkt bekommen! Von dort aus erkundeten wir die Nymph Falls, die Brown Falls sowie den Strathcona Park, wo teilweise sogar noch Schnee lag. Die Tage zuvor hatten wir den Mt. Washington immer wieder von unseren Campingplätzen aus gesehen und eher scherzhaft darüber gesprochen, ihn irgendwann zu besuchen. Und tatsächlich führte ein toller Wanderweg auf dem Forbidden Plateau direkt am Fuße des Berges entlang. Den sind wir natürlich direkt gelaufen. Morgens sprangen wir dann sogar noch in den See. Brrr… kalt! Aber danach gönnten wir uns den Luxus von vier Minuten heißer Dusche für einen Loonie. Luxus deshalb, weil vier Minuten schon ziemlich lang sind. Bei zwei Minuten muss man sich dann schon eher ranhalten, denn das Wasser stoppt nach Ablauf der Zeit ohne Vorwarnung. Bis dahin sollten Shampoo und Conditioner im besten Fall schon rausgewaschen sein.

Der nächste Campingplatz hatte zwar ebenfalls einen tollen Ausblick, dafür waren die Sanitäranlagen eher… sagen wir mal abenteuerlich. Zwei andere deutsche Camper zeigten uns dann nämlich die Dusche. Ich guckte also in die Richtung, in die sie deuteten und hielt Ausschau nach einem Häuschen, in dem die Duschen zu finden sein könnten. Fehlanzeige. Auf meine Nachfrage hin haben wir dann erst begriffen, dass die einzelne Gartendusche mit Gartenschlauch mitten auf der Wiese besagte Duschmöglichkeit war. Nachdem wir erstmal herzlich lachten, beschlossen wir, uns die Dusche dann doch lieber für den nächsten Tag aufzuheben.
Je weiter wir in den Norden fuhren, desto weniger Autos kamen uns auf dem Highway entgegen. Teilweise hatten wir stundenlang kein Netz. Dafür haben wir jede Menge Wälder durchquert, entdeckten einen Bären am Straßenrand und hörten Country Musik. Ursprünglich wollten wir in Telegraph Cove übernachten, aber dort war es so kalt, dass wir selbst tagsüber unseren eigenen Atem sehen konnten. Außerdem hingen überall Schilder zum Thema Bär und Cougar. Und hier oben gibt es eben nicht nur Schwarzbären, sondern auch Grizzlys. Und denen möchten wir nun wirklich nicht unbedingt begegnen. Vor ein paar Jahren sollen wohl ein paar Grizzlys vom Festland nach Vancouver Island geschwommen sein. Das sagt ja schon einiges. Also entschieden wir uns stattdessen für einen Campingplatz in Port McNeill, wo es etwas wärmer war und unser Weg zum nächsten Ziel etwas kürzer war: San Josef Bay im Cape Scott Provincial Park. Die Strecke dorthin zieht sich allerdings ordentlich. Kurz hinter Port Hardy verwandelte sich die Straße in eine Schotterpiste mit großen Schlaglöchern. Dementsprechend mussten wir sehr langsam fahren und brauchten deutlich länger als eigentlich gedacht. Eher drei statt zwei Stunden. Zum Strand liefen wir anschließend etwa 45 Minuten durch einen wunderschönen Wald mit uralten, ineinander verwachsenen Bäumen. Und obwohl die Gegend sehr abgelegen ist, waren hier tatsächlich doch einige Menschen unterwegs. Ein paar campten dort sogar. Der Strand selbst war auch wirklich schön – mit Felsformationen und dem langen Sandstrand erinnerte er uns ein bisschen an Tofino.



Danach zog es uns zurück ins Comox Valley, wo wir den vermutlich schönsten Stellplatz unserer gesamten Reise fanden. Direkt am Wasser. Mit Blick auf schneebedeckte Bergketten am Horizont und wunderschönem Abendrot. Wir beide saßen in unserem Auto mit geöffnetem Kofferraum, hielten Ausschau nach Buckelwalen und lasen unsere Bücher. Es war so idyllisch, dass wir direkt noch eine Nacht länger blieben. Auch Comox selbst hat uns sehr gefallen. Am Hafen musizierten ein paar ältere Menschen gemeinsam und untermalten damit den ohnehin traumhaften Blick auf die Berge. Mit einem Iced Coffee setzten wir uns schließlich in einen Park. Genau dort trafen wir dann lustigerweise auch unsere künftige Host, da wir am Telefon miteinander sprachen und sich plötzlich nach wenigen Minuten herausstellte, dass wir nur wenige Meter voneinander entfernt saßen. So lustig! Also lernten wir uns spontan persönlich kennen und sie war uns direkt sympathisch! Im Gegensatz zur letzten Farm hatten wir direkt ein richtig gutes Bauchgefühl und freuten uns schon auf die bevorstehende Zeit.
Bevor dieses Kapitel begann, hatten wir allerdings noch eine letzte verrückte Idee auf Lager. Während wir abends bei Burger und Bier beisammensaßen, scherzten wir zunächst darüber, dass wir ja theoretisch nochmal nach Tofino fahren könnten, um dort einen Tag lang zu surfen. Long story short: Am nächsten Morgen klingelte unser Wecker um 5:30 Uhr und kurze Zeit später saßen wir mit einem Coffee to go im Auto Richtung Westküste. Drei Stunden später waren wir dann wieder in Tofino. Vor einem Monat waren wir hier zum ersten Mal. Surfboards ausleihen, zum Chesterman Beach fahren und ab in die Wellen. Das Wetter war typisch Tofino wie man es von Fotos kennt: Nebelschwaden zogen über den Strand und tauchten alles in ein mystisches Licht. Passend dazu bestellte ich mir nach dem Surfen einen London Fog, der mich nach der Zeit im kalten Wasser wieder aufwärmte, bevor es dann weiter zum Long Beach ging. Unsere Sunset Surf Session hier war toll! Zum Abendessen holten wir uns Burritos von Tacofino, die wir uns dann in unseren liebgewonnenen Campingstühlen schmecken ließen. Und siehe da: Willi, der Wal vom letzten Mal, und seine zwei Kumpels waren tatsächlich auch wieder da. Immer wieder konnten wir in der Ferne ihre Wasserfontänen sehen. Am nächsten Morgen schlenderten wir noch über den kleinen Markt und machten einen Stopp bei einer Pie Company. Unser Favorit: Rhabarber-Himbeer-Pie. So lecker! Und das Coolste daran? Mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit hatte ich wenige Tage zuvor genau diesen Rhabarber mit eigenen Händen geerntet. Kleine Welt.
Nun beginnt unser nächster Farmstay. Diesmal mit richtig gutem Bauchgefühl. Ich freue mich! 🌞
13 Kommentare zu „Sari & Kari auf der Suche nach dem Abenteuer“
Ein phantastischer Bericht! Und so wunderbar, wie sich alles fügt und immer wieder ein neues Türchen aufgeht. Und: Das wichtigste ist, auf das Bauchgefühl zu hören!!!‘n
Ja, wir sind flexibel und lassen alles auf uns zukommen. Haben sich bisher immer ganz tolle Möglichkeiten ergeben nach solchen spontanen Änderungen. 🙂
🤗👍🏼So ein toller, anschaulicher Bericht. Manchmal findet man die tollsten Marmeladenglasmomente, wenn man zuvor enttäuscht wurde und dadurch gezwungen ist, ganz andere Entscheidungen treffen zu müssen als geplant.
Freue mich total für euch 🍀⭐️⭐️⭐️
Yes, ist auf jeden Fall eine Challenge, die wir gemeinsam gemeistert haben. 😀
Es hat richtig Spaß gemacht, Deinen Bericht zu lesen – die Natur ist so schön bei Euch und es passt alles so toll mit Euch! Ich wünsche Euch weiterhin eine prima Zeit.
Dankeschön!! Wir schicken Dir ganz liebe Grüße zurück! 🙂
Dankeschön für Deinen anschaulichen Bericht und die tollen Fotos – die Natur ist wunderbar! Ihr seid ein prima Team und habt viel Spaß zusammen. Ich wünsche Euch weiterhin eine klasse Zeit!
Prima, wirklich klasse geschrieben, so lebendig, auch die Duschszene, man beeilt sich förmlich mit. Auch Sari und Kari ist sehr niedlich, fast wie Hanni und Nanni. Toll, daß Ihr Euch beide so gut versteht und auf einer Wellenlänge seit. Und auch eine Lichterkette ist immer dabei. Viel Glück und Spaß auf der neuen Farm. Ihr packt das!!!
Wir sind auch happy, dass wir gerade zu zweit Kanada erkunden dürfen. 🇨🇦
Reisen bildet sagt man ja…und ihr wachst gerade über euch hinaus! An Grenzen kommen, Entscheidungen treffen, neue Pläne schmieden und mutig und kreativ umsetzen 🍀…großartig! Danke für deinen mitreißenden Bericht und weiterhin eine tolle Zeit ❤️
Sehr gerne hihi
Liebe Kari! Das liest sich wie ein wunderschöner Roman, aber ihr erlebt das in „Echt“. Das ist einfach weiterhin nur faszinierend und unglaublich. Danke, dass du uns daran teilhaben lässt. ❤️
Und diese neue Freundschaft mit Sari ist ein absoluter Glücksgriff.
Super gerne und liebe Grüße!! Freue mich auch sehr, dass sich das alles so gefügt hat.:)