Der Sommer, in dem ich das Farmleben lieben lernte

Der Sommer, in dem ich das Farmleben lieben lernte

Die letzten Wochen habe ich auf einer Farm im Okanagan Valley verbracht – und ich kann schon vorab verraten: Es war eine wundervolle Erfahrung! In diesem Beitrag teile ich ein paar Momentaufnahmen aus meinem Farmalltag mit Dir. 🌱👩‍🌾

Nach einer Nacht in Vancouver bin ich mit dem Bus erst nach Kelowna und anschließend weiter nach Penticton gefahren. Dort wurde ich dann von meinem Host abgeholt. Lustigerweise saß sowohl im ersten als auch zweiten Bus schon ein anderer Volunteer, mit dem ich später zusammenarbeiten würde. Wir wussten das aber gar nicht, haben uns normal begrüßt und verabschiedet, weil er an einer anderen Haltestelle ausgestiegen ist als ich – und kurze Zeit später saßen wir dann beide plötzlich wieder gemeinsam im Truck Richtung Farm. Das war auf jeden Fall ein lustiger Start. 

Bevor wir allerdings überhaupt auf der Farm ankamen, stand noch ein wichtiger Zwischenstopp an: Wir mussten Zelte kaufen. Ja, Zelte! Ich war eigentlich davon überzeugt gewesen, dass mein Campingabenteuer vorerst beendet wäre. Tja… falsch gedacht. Stattdessen wurde es nochmal auf ein neues Level gehoben. Rückblickend muss ich aber sagen, dass ich das sogar richtig cool fand. Manchmal spazierte morgens ein Huhn gemütlich an meinem Zelt vorbei, ich hatte meinen eigenen kleinen Schlafbereich und sogar eine richtige Matratze. Klar, dauerhaft aus dem Backpack zu leben und nichts wirklich auspacken zu können, war auch etwas chaotisch. Und spätestens ab 7 Uhr morgens wurde das Zelt zur Sauna. Aber da ich meistens ohnehin schon um 5 oder 6 Uhr mit der Arbeit begonnen habe, war das eigentlich gar kein Problem. 

Das Okanagan Valley beherbergt Kanadas einzige Strauchsteppe bzw. Halbwüste, wodurch die Tage hier sehr heiß waren. Deshalb starteten wir mit der Ernte schon früh am Morgen, bevor die Sonne zu kräftig wurde. Ich wurde realtiv zu Beginn direkt ins Rucola-Team aufgenommen und das bedeutete, dass ich mehrmals die Woche um 4 Uhr aufstand. Kurz vor 5 Uhr waren wir dann meist schon auf dem Feld und bereit, den ersten Bin des Tages zu füllen. Eigentlich waren wir hierbei immer zu dritt unterwegs und arbeiteten nebeneinander. Und auch wenn 4 Uhr echt früh war – ich habe diese Schichten tatsächlich sehr gemocht. Wir konnten so nämlich sehen, wie langsam die Sonne hinter den Hügeln aufging und die trockene, karge Landschaft in ein wunderschönes goldenes Licht tauchte. 

(Falls Du Dir spätestens jetzt denkst: Wüstenartige Natur, heiße Temperaturen und trockener Boden – sind das nicht auch perfekte Bedingungen für Schlangen? Jap. Absolut richtig. Und falls Du jetzt außerdem denkst: Moment mal… war das nicht einer der Gründe, warum sie nicht nach Australien wollte? Tja. Wieder richtig. Ob ich einen Greifvogel mit einer Schlange im Schnabel durch die Luft fliegen gesehen habe oder mal eine Kleinere auf dem Weg sah? Yes. Aber jetzt kommt die gute Nachricht: Ich war noch nicht da, als sich eine kleine Klapperschlange ins Feld verirrt hat. Also alles gut. Glück gehabt.)

Aber zurück zur Arbeit: Die Aufgaben wechselten normalerweise täglich und auch die Teams wurden jeden Tag neu gemischt. Das fand ich echt gut, weil man so mit verschiedenen Volunteers zusammengearbeitet hat und sich viel besser kennenlernen konnte. Gerade zu Beginn war ich doch etwas überfordert die vielen neuen Gesichter und Namen richtig zuzuordnen. In den Wochen auf der Farm habe ich unteranderem Salat und Gurken geerntet, Salat gepflanzt, Tomaten ausgegeizt (wobei tomato pruning irgendwie deutlich cooler klingt), Unkraut gejätet, Felder für die nächste Bepflanzung vorbereitet und beim Verpacken geholfen. Ich habe unglaublich viele Einblicke in das Farmleben bekommen und habe einen riesigen Respekt vor allen Menschen, die diesen Beruf ausüben. Es steckt unfassbar viel Arbeit in dem fertigen Produkt, das später ganz selbstverständlich auf dem Teller landet. Während wir Volunteers nach unserer Schicht frei hatten, arbeiteten unsere Hosts oft noch bis in die Abendstunden. Es gibt immer etwas zu tun. Es ist ein 24/7-Job – und man merkt schnell, dass das ohne eine große Leidenschaft für das was man hier tut nicht funktionieren würde. Das fand ich sehr beeindruckend.

Nachmittags sind wir oft gemeinsam zum Fluss gelaufen, haben unsere Floaties geschnappt und uns einfach den Fluss hinuntertreiben lassen. Das hat total Spaß gemacht. Außerdem haben wir einige der wunderschönen Seen in der Region besucht. Besonders die Okanagan Falls und der Osoyoos Lake waren toll. Abends saßen wir oft beisammen und haben der Musik von einigen begabten Volunteers gelauscht. Viele hatten eine ganz tolle Stimme oder konnten Gitarre spielen. Unter dem Sternenhimmel zu sitzen, den Melodien zu lauschen und einfach den Tag gemeinsam ausklingen zu lassen, hatte irgendwie etwas Magisches. Da habe ich mich ein bisschen so gefühlt als wäre ich in einem Film gelandet. Ein Moment, den ich ebenfalls nicht so schnell vergessen werde, war ein Abend auf der Farm, wo es plötzlich anfing in Strömen zu regnen. Statt ins Trockene zu gehen, drehten ein paar Leute die Musik auf und fingen einfach an zu tanzen. Erst tanzten nur ein paar im Regen, doch nach und nach machten immer mehr mit. Am Ende standen wir alle klatschnass lachend im Regen und genossen einfach diesen unbeschwerten Moment. Irgendwie hat sich das nach absoluter Freiheit angefühlt.

Das Gemeinschaftsgefühl auf der Farm war wirklich toll. Jeden Abend saßen wir gemeinsam an einer langen Tafel zum Essen, haben Geburtstag gefeiert, Gespräche geführt oder auch einen Sunday Brunch organisiert. Und das Essen war so gut, denn jeder hat etwas beigesteuert und gebacken oder generell mitgeholfen. Wir hatten auch Blaubeer-Pancakes, die größer als meine Hand waren. Yummy!

Die Wochen auf der Farm sind wie im Flug vergangen. Irgendwie ging ein Tag nahtlos in den nächsten über und plötzlich war es schon Zeit, Abschied zu nehmen. Obwohl wir uns erst wenige Wochen kannten, war das irgendwie ein komisches Gefühl zu gehen. Wir haben ja praktisch rund um die Uhr gemeinsam Zeit verbracht, Seite an Seite gearbeitet und viele schöne Momente geteilt. Ich glaube die Truppe war echt etwas Besonderes. So viele tolle Menschen, die ich kennenlernen durfte. Und die Hosts haben einem auch von Anfang an das Gefühl gegeben ein wertvoller Teil des Teams zu sein. Jeden Tag hat man gemerkt, wie dankbar sie für die Hilfe waren und wie sehr sie diese schätzten.🌻

5 Kommentare zu „Der Sommer, in dem ich das Farmleben lieben lernte

  1. Ich habe vor einigen Tagen auf einem Schild gelesen:
    „Am Ende eines Tages sollten Deine Füsse schmutzig, Deine Haare zerzaust und Deine Augen leuchtend sein“
    Ich habe keine Ahnung, von wem das ist, aber es trifft auf Deine Zeit auf der Farm wohl absolut zu! Großartig!!!

  2. Ich will weiterlesen. Das liest sich so gut. Einfach nur wieder toll geschrieben und eine Mega-Erfahrung. Besonders toll fand ich das Tanzen im Regen. Das hab ich auch mal im Bikini in Feldberg an der Mecklenburger Seenplatte mit meinen Freundinnen gemacht. Immer noch ein schöner Moment in meiner Erinnerung, den du jetzt wieder hochgeholt hast aus dem Tiefen meines Gedächtnisses. Nun wünsche ich / wünschen wir dir eine wunderschöne Zeit mit deinem Freund. ❤️

  3. Dein Bericht weckt auch bei mir Erinnerungen, die ich ganz tief vergraben hatte…Sommer, Sonne, Freiheit… Ich werde mal in mich gehen….mal abwarten, was mir noch so alles wieder einfällt 😃…ja und das 🐉Thema möchte ich gar nicht weiterdenken…hab es auch nur ganz schnell überflogen…jedenfalls freue ich mich, dass Du so magische und wunderbare Momente erlebt hast und viele neue Eindrücke bekommen hast❤️und weiter geht’s 🤠

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