Meine ersten 2 Monate in British Columbia

Meine ersten 2 Monate in British Columbia

Heute bin ich seit genau zwei Monaten in Kanada. Einerseits ist die Zeit verflogen. Andererseits habe ich in den beiden Monaten schon so viel erlebt, dass ich das Gefühl habe schon viel länger in diesem schönen Land zu sein. In den vergangenen Wochen habe ich liebe Menschen kennengelernt, die inzwischen zu Freunden geworden sind, Pläne über Bord geworfen, Vancouver Island von unten (Victoria) bis oben (San Josef Bay) bereist und erste Arbeitserfahrungen gesammelt. Eigentlich bin ich zu diesem Zeitpunkt deutlich mehr gereist als ursprünglich vorgesehen. Aber wenn ich hier eines gelernt habe, dann: Nicht alles lässt sich planen und das ist auch gut so. 💛

Wenn Du mich schon länger kennst, weißt Du vermutlich, dass ich generell sehr gerne organisiere und im Voraus Pläne schmiede. Ob beruflicher oder privater Natur. Kanada scheint beschlossen zu haben, dass es nun an der Zeit ist, dass sich das jetzt (zumindest temporär) ändert. Denn manchmal passieren unvorhergesehene Dinge, die den Plan komplett durcheinander bringen und alles kommt anders als gedacht. Alles wieder auf Anfang. Genau dann sind hier tolle Abenteuer entstanden, die ich hoffentlich noch lange in guter Erinnerung behalten werde.

Von Beginn an geplant war beispielsweise unser erster Roadtrip. Meine beiden Reisefreundinnen kannte ich zwar zuvor auch nicht, aber wir hatten den groben Plan entwickelt, dass wir uns Mitte April ein Auto mieten und dann gemeinsam Vancouver Island erkunden würden. Bevor wir uns hier persönlich getroffen haben, hatten wir lediglich ein paar Sprachnachrichten ausgetauscht und wussten, dass wir ähnliche Vorstellungen vom Start unseres Work & Travel-Jahres hatten. Daraus hat sich dann unser Roadtrip ergeben, der richtig cool war! Schon verrückt eigentlich. Vor zwei Monaten kannten wir uns noch gar nicht und waren uns völlig fremd und inzwischen sind Freundschaften entstanden, die ich nicht mehr missen möchte. In Deutschland hätten wir uns vermutlich nie kennengelernt. Wir kommen aus völlig unterschiedlichen Ecken innerhalb Deutschlands. Umso schöner ist es, dass sich unsere Wege hier gekreuzt haben.

Auch mein Farmstay auf der Rhabarberfarm stand bereits lange vor Abreise fest. Ich hatte die Hosts bereits im Januar aus Neuseeland kontaktiert. Und rückblickend hatte ich mit meinen ersten Hosts einen richtigen Glückstreffer gelandet. Die vergangenen Wochen haben mir nämlich gezeigt, dass es keineswegs selbstverständlich ist, dass man sich bei einem Volunteering sofort willkommen, sicher und gut aufgehoben fühlt. Zweimal habe ich leider nicht ganz so gute Erfahrungen gemacht und das ist auch ok. Das gehört auch dazu. Aber man muss dann selbst aktiv werden, um die Situation zu ändern. Das übernimmt ja kein anderer. Ich hatte jedoch Glück, dass ich in den beiden Situationen nicht allein war – obwohl das ursprünglich sogar so geplant war und es eine glückliche Fügung war, dass Sari jetzt erneut mit mir reiste. Zu zweit fällt es dann doch etwas leichter, Zweifel anzusprechen, Sorgen zu teilen und sich letztlich vom ursprünglichen Plan zu verabschieden, obwohl man vielleicht noch nicht weiß, wo man nach dem Entschluss die nächste Nacht verbringen wird. Rückblickend haben diese Entscheidungen unsere Reise ziemlich auf den Kopf gestellt. Anstatt vier Wochen an einem Ort zu sein, haben wir Vancouver Island ausgiebig erkundet und befinden uns nun auf dem Festland umringt von schneebedeckten Bergen. Inzwischen nehmen wir die Herausforderungen mit Humor. Über Nacht schmiedeten wir nicht nur einmal neue Pläne, passten unsere Route an und es ergaben sich ganz neue Möglichkeiten. Während Freunde und Familie manchmal eher etwas besorgt auf die Stories reagierten – und ich muss zugeben, dass da wirklich crazy Stories dabei waren – mussten wir selbst manchmal nur noch Lachen, weil die Situation einfach so absurd war. Aber wir haben jetzt ein paar echt gute Geschichten auf Lager. Natürlich ist es schade, wenn der ursprüngliche Plan nicht so funktioniert wie man es sich vorgestellt hat. Man muss sich dann von den Erwartungen distanzieren. Aber wenn alles nach Plan gelaufen wäre, hätte ich vielleicht nie herausgefunden, wie viel Spaß mir Camping macht und welche tollen Ecken die Westküste Kanadas noch so zu bieten hat. Anstatt uns also zu ärgern, dass wir unsere Pläne ändern müssen, haben wir beschlossen einfach spontan zu sein. Spontan ist jetzt unser zweiter Vorname. Und ganz ehrlich? Spontan sein macht Spaß! Wir wissen noch nicht, wo wir die Nacht verbringen werden? Okay. Herausforderung angenommen! Wir werden schon etwas finden. Es ergibt sich immer etwas. Und Kanadier sind wirklich super hilfsbereit.

Eine dieser ungeplanten Wendungen führte uns ins Comox Valley, wo wir last minute einen Farmstay starteten und bei einem netten Paar unterkamen. Wir wohnten eine Woche lang in einem Camper auf dem Grundstück. Tagsüber arbeiteten wir im Garten und legten uns richtig ins Zeug. Meterhohes Unkraut entfernen, verwurzelte Erde umgraben, Beete freilegen, Blumen säen, Himbeersträucher und Bäume pflanzen, mit dem Weed Raker dem Gras den Kampf ansagen oder auch diverse Schubkarren Mulch in einer Meditationsspirale verteilen – kein Problem für Sari und Kari. Wir sind jetzt Profis – also falls Du mal Hilfe im Garten brauchst, sag einfach Bescheid. 😉

Abends spürten wir Muskeln, von denen wir bisher nicht einmal wussten, dass sie existieren. Es war tagsüber auch ziemlich heiß. Aber am Ende des Tages war es ein tolles Gefühl zu sehen, was wir geschafft hatten. Unsere Hosts waren auch sehr dankbar und haben sich total gefreut unseren Fortschritt im Garten zu sehen. Sehr süß und wertschätzend! Sie baten uns sogar darum unseren eigenen Touch im Garten einzubringen. Immer an unserer Seite: einer der drei Hunde des Hauses. Ihre größte Leidenschaft: Stöckchen werfen. Oder eben auch kleine Mulchstückchen, denn das Wort „Stöckchen“ ist noch großzügig formuliert. Holzsplitter trifft es wohl auch ganz gut. Macht wohl mehr Spaß als ein normaler Stock. Aber hey. Ihre Fundstücke legte sie grundsätzlich immer genau dort ab, wo wir gerade arbeiteten. Besonders beliebt war der gefüllte Unkrauteimer. Daraufhin mussten wir dann mehr als einmal im Eimer nach besagtem Stöckchen suchen. Selbst nach fünf Stunden Arbeit war sie noch höchst motiviert und schaute uns mit Hundeblick an und wartete darauf, dass wir noch „ein letztes Mal“ ihr Stöckchen warfen – nur, um dann in die komplett falsche Richtung zu rennen. Lassen wir einfach mal so stehen.

Schnell hatten wir unsere feste Routine gefunden: früh aufstehen, fünf Stunden im Garten ackern, zwischendurch einen Kaffee aus der French Press genießen, nachmittags die Gegend erkunden und abends gemeinsam mit unseren Hosts beim Abendessen zusammensitzen.

📍Zu meinen Lieblingsorten im Comox Valley zählen neben der Stadt Comox selbst vor allem diese fünf Orte:

  1. Goose Spit Park.
    Der perfekte Ort für den Sonnenuntergang. Außerdem kann man hier Kiteboardern und Windsurfern zuschauen, wie sie über die Wellen flitzen.
  2. Point Holmes.
    Fantastische Ausblicke auf den Ozean und die Bergketten auf dem Festland. Entlang der Küste führt hier ein entspannter Weg, auf dem man entspannt laufen und nach Robben Ausschau halten kann.
  3. Kye Bay Beach.
    Ein langer Sandstrand, der direkt an Tofino erinnert. Besonders bei Ebbe scheint der Strand endlos zu werden und man hat das Gefühl, kilometerweit in Richtung Wasser hinauslaufen zu können.
  4. Cumberland.
    Sowohl der Cumberland Community Forest als auch das Dorf selbst sind einen Besuch wert. Love’s Ice Cream hat super leckeres Eis. Dort gibt es „Real Fruit Ice Cream“ nach neuseeländischer Art. Tatsächlich hatte ich genau solch ein Eis im Januar auf einer Blaubeerfarm in Neuseeland gegessen. Und was soll ich sagen? Es schmeckte genauso gut!
  5. MacDonald Wood Park.
    Der Trail dort war wunderschön! Wir haben unsere Route spontan erweitert und sind über den Filberg Park und den Baybrook Nature Park bis ans Wasser gelaufen. Eine richtig schöne Mischung aus Wald, Küste und kleinen Aussichtspunkten.

Wenn ich also auf die letzten zwei Monate zurückblicke, sind mir insbesondere die ungeplanten Erlebnisse und Momente in Erinnerung geblieben. Spontane Entscheidungen, kleine Rückschläge, neue Wege – all das gehörte dazu und hat mich genau zu dem Punkt geführt, wo ich mich jetzt gerade befinde. Manchmal lohnt es sich, vom ursprünglichen Plan abzuweichen und einfach alles auf sich zukommen zu lassen. Ich bin gespannt, was mich in den kommenden Monaten noch alles erwartet. 🧭

11 Kommentare zu „Meine ersten 2 Monate in British Columbia

  1. Wieder ein super toller Bericht und daß Ihr den Garten dort so auf Vordermann gebracht habt ist echt der Hammer.
    Weiterhin ein tolle Zeit und herzliche Grüße

    1. Auf die angebotene Gartenhilfe werde ich direkt nochmal zugreifen… ,nachdem Du ja beim Rollrasenverlegen auch schon Talent gezeigt hast.
      Aber im Ernst: nicht den Urlaub vor lauter Arbeit vergessen!
      LG

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